Wenn das Wagenheck nahezu auf dem Asphalt schleift, ist eine Überladung des Fahrzeugs mehr als offensichtlich. Doch bereits wenige Kilogramm Überladung bergen Gefahren für Autofahrende und andere Verkehrsteilnehmende.
Die Fahrerlaubnis der Klasse B erlaubt das Führen eines Fahrzeugs bis zu einem Gesamtgewicht von 3.500 kg, bei alternativen Antrieben liegt das zulässige Maximalgewicht bei 4.250 kg, wenn man seit mindestens zwei Jahren im Besitz der Klasse B ist. Dies gilt nur für das Inland. Je nach Leergewicht des Wagens bedeutet das unterschiedlichen Spielraum im Kofferraum – eigentlich. Doch wenn sich die Umzugskisten stapeln oder die Familie mit gepackten Koffern in den Urlaub fährt, kann das Auto schnell überladen sein.
Wie viel darf ich ins Auto packen?
Der entscheidende Faktor ist das zulässige Gesamtgewicht eines Fahrzeugs. Das ist in der Zulassungsbescheinigung Teil 1 (früher Fahrzeugschein) vermerkt. Das angegebene Leergewicht beschreibt hier das Gewicht des Autos sowie eines Fahrenden mit einem Körpergewicht von 75 kg. Außerdem fließt die Masse einer 90-prozentigen Tankfüllung in das Leergewicht ein.
Bei einem Wagen der unteren Mittelklasse beträgt das zulässige Gesamtgewicht durchschnittlich 1.725 kg. Werden zu den 1.400 kg Leergewicht eines Pkw also noch Mitfahrende, Fahrräder, Gepäck und Campingausstattung addiert, wird die erlaubte Last schnell überschritten. Das hat negative Auswirkungen auf das Fahr-, Brems- und Lenkverhalten des Autos. Hinzu kommen drohende Bußgelder bereits bei einer Überladung von über fünf Prozent.
Anhängerlast
Für Fahrzeuganhänger gilt eine Gewichtsobergrenze von 750 kg für Personen mit einer Fahrerlaubnis der Klasse B. Eine Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichtes ist möglich, solange das Gespann aus Fahrzeug und Anhänger nicht mehr als 3.500 kg wiegt. Für Pkw mit Anhänger gilt die Maximalgeschwindigkeit von 80 km/h. Ausnahmen gelten für Anhänger mit einer Tempo-100-Plakette, sie dürfen bis zu 100 km/h schnell gezogen werden.
Empfindliche Strafen drohen
Da die Überladung von Kraftfahrzeugen die Verkehrssicherheit gefährdet, sieht der aktuelle Bußgeldkatalog dafür empfindliche Bußgelder vor. Für Fahrzeugführende von Kfz bis zu 7,5 t (damit auch Pkw) oder von Anhängern bis zu 2 t werden bei einer Überladung folgende Bußgelder und ggf. ein Punkt im Fahreignungsregister fällig.
Überladung | Strafe |
---|---|
Ab 5 Prozent Überladung | 10 Euro Bußgeld |
Ab 10 Prozent Überladung | 30 Euro Bußgeld |
Ab 15 Prozent Überladung | 35 Euro Bußgeld |
Ab 20 Prozent Überladung | 95 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Ab 25 Prozent Überladung | 140 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Ab 30 Prozent Überladung | 235 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Auch Fahrzeugführende von Kfz von mehr als 7,5 t (in der Regel LKW) müssen mit Bußgeldern und Punkten in Flensburg rechnen, wenn sie ihren Lastzug überladen.
Überladung | Strafe |
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2–5 Prozent Überladung | 30 Euro Bußgeld |
Ab 5 Prozent Überladung | 80 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Ab 10 Prozent Überladung | 110 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Ab 15 Prozent Überladung | 140 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Ab 20 Prozent Überladung | 190 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Ab 25 Prozent Überladung | 285 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Ab 30 Prozent Überladung | 380 Euro Bußgeld, ein Punkt |
Längerer Bremsweg
Ein überladenes Kraftfahrzeug verliert an Fahrstabilität. In Kurven kann es ausbrechen und der Bremsweg verlängert sich. Bei starker Überladung können sogar die Reifen platzen oder die Achse brechen. Kraftfahrzeuge sind in puncto Fahrwerk, Bremsen und Reifen nur für eine bestimmte Ladungsmenge ausgelegt. Erhöht sich das Gewicht auf die einzelnen Achsen, kommt es zu einem veränderten Fahrverhalten. Ein überladener Lkw birgt eine weitere Gefahr. Bricht er aus, droht auch die Ladung zu verrutschen. Dies führt zu weiterer Instabilität und kann schwerwiegende Folgen haben.
Überladung vorbeugen
Bereits beim Kauf des Autos sollten Autofahrende auf ihre Bedürfnisse achten. Bei einer großen Familie empfiehlt sich der Kauf eines Kombis mit einem höheren zulässigen Gesamtgewicht. Vor Reiseantritt ist es sinnvoll zu wissen, wie viel Kilogramm alle Reisenden und ihr Gepäck auf die Waage bringen. So lässt sich einfach die maximal zulässige Zuladung ermitteln.
Öffentliche Autowaagen gibt es laut TÜV in vielen Gemeinden. Entsprechende Anlaufstellen lassen sich im Internet unter www.ortsdienst.de/oeffentliche-waagen finden. Ein oft unterschätzter Faktor ist die Sonderausstattung wie ein Glasdach oder eine Anhängerkupplung eines Wagens. Diese wird oft nicht im Gesamtgewicht angegeben. Der Autohändler kann hier weiterhelfen und weiß, ob das im Fahrzeugschein angegebene Gesamtgewicht bereits die Sonderausstattung berücksichtigt.
Ladung richtig sichern
Um sicher zu gehen, sollte die Ladung zusätzlich mit Zurrgurten gesichert werden, für die in Kraftfahrzeugen entsprechende Zurrpunkte vorhanden sind. Des Weiteren bieten sich auch für Pkw sogenannte Sicherungsnetze an, die zwischen der Rückbank und dem Kofferraum angebracht werden können. Damit sind die Insassen auch bei starken Bremsungen vor sich lösendem Gepäck geschützt.
Reifendruck prüfen
Eine weitere Vorsichtsmaßnahme: der Reifendruck-Check. Denn je schwerer ein Auto wird, desto höher muss der Reifendruck sein. Andernfalls können die Reifen beschädigt werden. Zu geringer Reifendruck wirkt sich zudem negativ auf den Kraftstoffverbrauch aus. Angaben zum korrekten Reifendruck finden sich auf der Infotafel an der Innenseite der Fahrertür oder im Tankdeckel.
Wohnmobil: sicher in Richtung Urlaub
Alles rein und los? Mit dem eigenen Wohnmobil in den Urlaub zu fahren, verspricht traumhafte Erinnerungen, die bleiben. Damit daraus kein Albtraum wird, sollten Wohnmobilfahrende das zulässige Gesamtgewicht ihrer Unterkunft auf vier Rädern kennen. Das maximal erlaubte Gewicht der Zuladung ergibt sich aus der Differenz zwischen Leergewicht und zulässigem Gesamtgewicht des Fahrzeugs, auch hier hilft also ein Blick in den Fahrzeugschein.
Beim Beladen des Wohnmobils sind schwere Gegenstände zwischen den Achsen am besten aufgehoben. Leichtes Gepäck eignet sich für die Oberschränke, wenn es gesichert ist. Offene Ablagen müssen leer bleiben, damit beim Fahren nichts herumfliegen kann. Bei Prüforganisationen wie den TÜV`s, dem Dekra oder anderen Organisationen kann das Wohnmobil gewogen werden. Ist das Gefährt zu schwer, empfiehlt es sich, den Wassertank zu leeren und eventuelle Essens- und Getränkevorräte erst im Urlaubsort zu kaufen.
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