Leuchtende Gefahr im Straßenverkehr – so fahren Sie sicher

Blendende Scheinwerfer? Warum sich 90 Prozent der Autofahrenden geblendet fühlen und wie Sie sicher ankommen.

21. März 2025
3 Minuten

Gleißend hell blendende Scheinwerfer beeinträchtigen die Sicht, für Sekunden fehlt der Überblick über den Verkehr. Immer wieder kommt es in solchen Situationen zu Unfällen: Neun von zehn Autofahrenden fühlen sich nachts von entgegenkommenden Fahrzeugen geblendet. Doch warum passiert das so oft und was können Verkehrsteilnehmende dagegen tun?

Wie kommt es zur Blendung bei Nachtfahrten?

„Blendung ist eine Überreizung des Sehnervs“, sagt Burkhard Böttcher, Fachreferent für Fahrzeugtechnik im ADAC Technik Zentrum in Landsberg am Lech.

Der Experte unterscheidet dabei zwischen zwei Arten: der physiologischen und der psychologischen Blendung.

Bei der physiologischen Blendung trifft zu helles Licht auf die Netzhaut und die Pupille zieht sich zusammen, um die Lichtmenge zu reduzieren. Das Auge versucht so, die Netzhaut zu schützen und die Sehfähigkeit aufrechtzuerhalten. Dabei adaptiert sich das Auge aber an die helle Lichtquelle, sagt Burkhard Böttcher. Die Folge: Die Sicht ist für mehrere Sekunden deutlich eingeschränkt.

„Nach dem plötzlichen hellen Licht braucht das Auge mehr Zeit, um sich wieder an die dunkle Umgebung zu gewöhnen“, so Böttcher. „Betroffene Verkehrsteilnehmende können Objekte, Hindernisse oder den Straßenverlauf nicht mehr richtig erkennen.“

Die psychologische Blendung hingegen überfordert nicht das Auge, sondern schränkt das Reaktionsvermögen ein. Verkehrsteilnehmende erschrecken vor dem plötzlich auftretenden hellen Licht und sind abgelenkt, obwohl ihre Augen nicht direkt beeinträchtigt sind. Plötzliche Bremsmanöver, unbewusstes Lenken, aber auch Schutzreaktionen wie Blinzeln oder sogar Augenschließen können die Folge sein und gerade bei höheren Geschwindigkeiten auf Landstraßen oder Autobahnen zu gefährlichen Situationen führen.

Dabei ist es egal, ob der Lichtreiz von vorne ins Auge fällt oder über die Innen- oder Seitenspiegel. „Beide Formen erhöhen das Unfallrisiko erheblich und sind leider keine Einzelfälle. Besonders wenn zusätzlich zur Blendung schlechte Witterungsbedingungen wie Regen oder Schnee die Sicht einschränken, kann es schnell gefährlich werden“, warnt der ADAC-Experte.

Wie oft fühlen sich Autofahrende geblendet?

Laut einer repräsentativen Umfrage des ADAC fühlen sich 90 Prozent der Autofahrenden geblendet. 27 Prozent sogar fast immer oder regelmäßig. Als besonders irritierend empfinden die Befragten das Fernlicht (82 Prozent) und das Abblendlicht (41 Prozent).

Weitere 50 Prozent erleben diese Situation zumindest manchmal. „Fast zwei Drittel der Autofahrenden empfinden Blendung als störend“, sagt Burkhard Böttcher. Vor allem moderne Scheinwerfertechnologien scheinen das Problem in den vergangenen Jahren verschärft zu haben.

Moderne Technik erhöht das Risiko

„Jahrzehntelang hatten wir Halogenscheinwerfer mit warmweißem Licht mit etwa 2.700 Kelvin“, sagt Böttcher. Kelvin ist der Wert, der die Farbtemperatur angibt. Je höher die Kelvinzahl, desto bläulicher und kälter wirkt das Licht. „Heute dominieren bei allen neuen Fahrzeugen LED-Systeme mit bis zu 6.000 Kelvin – das entspricht fast Tageslicht.“

Der entscheidende Unterschied liegt aber nicht nur in der Farbe des Lichtes, sondern auch in der Größe der Lichtquelle. Bei Halogenscheinwerfern verteilt ein Glühfaden das Licht in einen großen Reflektor. LED-Systeme dagegen bündeln die gleiche Lichtmenge auf einer winzigen Fläche. Das ist wie bei einem Wasserstrahl“, sagt Böttcher. „Je kleiner die Düse, desto intensiver der Strahl, auch bei gleichbleibender Wassermenge.“ Genauso verhält es sich mit dem Licht: je kleiner die Lichtquelle, desto intensiver der Lichtstrahl und damit die Blendwirkung im Auge.

Was können Sie tun, um andere nicht zu blenden?

Saubere Scheinwerfer: Überprüfen Sie häufig, ob Ihre Scheinwerfer sauber sind und reinigen Sie diese händisch. Verschmutzungen können das Licht streuen und andere blenden. Gerade in der dunklen Jahreszeit ist es daher ratsam, die Scheinwerfer regelmäßig zu reinigen.

Richtige Einstellung: Scheinwerfer müssen auf den Ist-Zustand angepasst sein. Die Beladung oder das Fahren mit einem Anhänger haben Einfluss auf den Neigungswinkel der Scheinwerfer. Lassen Sie regelmäßig die Leuchtweite im Fachbetrieb prüfen. Falsch eingestellte Scheinwerfer blenden den Gegenverkehr.

Automatisches Fernlicht: Auch wenn Ihr Fernlicht automatisch auf- und abblendet, müssen Sie als Fahrender darauf achten, dass niemand geblendet wird, und notfalls selbst eingreifen. Die Verantwortung für die Beleuchtung liegt auch mit Automatik bei der Fahrerin oder dem Fahrer.

Vorsicht bei der Nebelschlussleuchte: Sie ist extrem hell und darf nur bei Sichtweiten unter 50 Metern eingesetzt werden.

Achten Sie auf Ihre Beladung: Wenn Ihr Auto schwer beladen ist oder Sie mehr Mitfahrende als gewöhnlich dabeihaben, verändert sich die Neigung des Fahrzeugs und damit auch der Winkel der Scheinwerfer. Korrigieren Sie die Leuchtweite gegebenenfalls manuell, um andere Verkehrsteilnehmende nicht zu blenden.

Geblendet – was tun?

Wer geblendet wird, sollte nicht in Panik geraten. Bewahren Sie Ruhe, wenden Sie Ihren Blick von der Lichtquelle ab und schauen Sie auf den rechten Fahrbahnrand. Das gibt Ihnen Orientierung und vergrößert den Winkel zur blendenden Lichtquelle. Zusätzlich können Sie Ihre Geschwindigkeit reduzieren, um im Notfall schneller reagieren zu können. Achten Sie dabei auf den nachfolgenden Verkehr und führen Sie keine Vollbremsung durch.

Verschmutzung führt zu Lichtbrechung. Die Frontscheibe sollte daher regelmäßig innen und außen gereinigt werden. So lässt sich die Blendwirkung entgegenkommender Fahrzeuge reduzieren.

Die Zukunft: mehr Sicherheit durch Technik

Gefahrensituationen durch Blendung dürften in Zukunft etwas seltener auftreten. Abhilfe soll eine Regelung für alle neu zugelassenen Fahrzeuge schaffen: Ab spätestens 2028 müssen alle neuen Pkw eine automatische Leuchtweitenregulierung haben. Sie passt die Höhe des Scheinwerferlichts an die Beladung an, um andere Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer nicht zu blenden. Bis dahin heißt es: Rücksicht nehmen, vorausschauend fahren und im Ernstfall richtig reagieren.

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