Landstraße

Wenn Schönheit tötet

Schön und gefährlich – eine kurvenreiche Landstraße

Wenn Schönheit tötet

Über sanfte Hügel, vorbei an Wiesen und Feldern, durch schattige Wälder und Alleen – für viele Auto- und Motorradfahrer bedeuten Landstraßen eine willkommene Auszeit vom hektischen Stadtverkehr oder von überfüllten Autobahnen. Was viele nicht wissen: Das Risiko, tödlich zu verunglücken, ist hier mehr als doppelt so hoch wie auf anderen Straßen.

Rund 60 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten kommen auf Landstraßen ums Leben. Laut vorläufigen Berechnungen des Statistischen Bundesamts hat sich die Zahl der Todesopfer auf Landstraßen 2011 um mehr als zehn Prozent erhöht. Besonders drastisch ist die Zahl der auf Landstraßen getöteten und schwer verletzten Motorradfahrer gestiegen – nämlich um über 13 Prozent.

 

Vielfältige Verkehrsteilnehmer, vielfältige Risiken

Von Radfahrern, Fußgängern oder Reitern über Pkws, Motorräder und Transportfahrzeuge bis hin zu Traktoren und Mähdreschern – auf Landstraßen sind sie alle unterwegs. Die unterschiedlichen Verkehrsteilnehmer mit ihren individuellen Geschwindigkeiten teilen sich oft enge Spuren. Zudem sehen sich die Fahrer häufig mit brenzligen Situationen konfrontiert: Ein Reh bricht aus dem Unterholz, Schmutz oder Laub machen die Straße zur Rutschbahn, oder wechselnde Lichtverhältnisse in Alleen und Waldstücken verschlechtern die Sicht.

Trügerische Idylle

Weil Landstraßen insbesondere von Ortskundigen befahren werden, drohen außerdem die Tücken von Gewohnheit und Leichtsinn: Die Strecken-„Routiniers“ wiegen sich in Sicherheit, fahren mit unangepasster Geschwindigkeit und neigen zu riskanten Überholmanövern. Dass hinter jeder Kuppe, jeder Kurve und jedem Baum unvermutet Hindernisse oder Gegenverkehr auftauchen können, vergessen dabei viele. Daneben werden vor allem „Lückenspringen“ in einer Kolonne sowie zu knappe Sicherheitsabstände vielen Fahrern auf Landstraßen zum Verhängnis.

Fast jeder Dritte stirbt am Baum

Ob Linden, Buchen oder Pappeln: Bäume am Straßenrand sind schön anzuschauen, spenden Schatten, schützen vor Wind – und können tödlich sein. Wer in einer Allee von der Straße abkommt, hat kaum eine Chance, eine Lücke zwischen den Bäumen zu erwischen. Im Fall eines Zusammenstoßes ist ein Baumstamm als starres und fest stehendes Hindernis fast immer tödlich. Über 29 Prozent der Unfallopfer auf Landstraßen sterben durch einen Aufprall auf Bäumen.

Risikogruppe junge Fahrer

Gerade Fahranfänger unterschätzen die Tücken der Landstraße: Die meisten aller tödlich verunglückten Fahrer unter 25 Jahren sterben bei Unfällen auf Landstraßen. Häufig sind sie nachts mit voll besetzten Wagen unterwegs und passen ihr Fahrverhalten den jeweiligen Bedingungen nicht ausreichend an. Zu hohe Geschwindigkeit, waghalsiges Überholen, Fehlreaktionen in überraschenden Situationen oder Fehleinschätzung der Distanzen führen dann nicht selten zu Tragödien.

Sicherheit als Gemeinschaftsprojekt

Experten arbeiten intensiv daran, Landstraßen in Zukunft sicherer zu gestalten: zum Beispiel mit speziellen Fahrbahnmarkierungen, Schutzplanken oder Tempolimits. Solche technischen und baulichen Maßnahmen können uns dabei unterstützen, sicher zu fahren. Richtig handeln müssen wir aber immer noch selbst. Ein guter Anfang ist es, sich eines bewusst zu machen: Selbst die schönste Landstraße birgt große Risiken.

 

Weiterführende Links:

Informationen des Deutschen Verkehrssicherheitsrates zum Schwerpunkt "Überholen auf Landstraßen"

www.dvr.de/presse/informationen/3033.htm 

DVR-Presseinformation "Runter vom Gas auf Landstraßen"

www.dvr.de/presse/informationen/3155.htm 

DVR-Umfrage unter Autofahrern zu den größten Gefahren in Verbindung mit einer zu hohen oder nicht angepassten Geschwindigkeit

http://www.dvr.de/presse/informationen/grafiken/3750.htm

Informationen der Unfallforschung der Versicherer:

www.udv.de/publikationen/praesentationen/