Ablenkung

Wenn Sie bei der Fahrt Ihr Handy nutzen, sind Sie viele Meter im Blindflug unterwegs!

Blindflug mit offenen Augen

Das Handy klingelt, die Stimme aus dem Navigationsgerät tönt, das Frühstücksbrötchen bröselt in den Schoß, der Radiosender muss neu eingestellt werden – und wo ist eigentlich der Haustürschlüssel? Alles ganz harmlose Unwägbarkeiten im Leben eines Autofahrers? Leider nicht. Denn häufig reichen wenige Sekunden der Ablenkung, um einen tödlichen Unfall zu verursachen.

Rund 3.500 Menschen sterben jährlich auf europäischen Straßen, weil sie am Steuer ihres Fahrzeugs abgelenkt waren. Die Quellen der Ablenkung sind vielfältig: auffällige Personen am Straßenrand, interessante Landschaftsbilder, essen, rauchen, die Bedienung von Infotainment-Systemen oder die Kommunikation mit Mitfahrern. Der Griff zum Handy während der Fahrt ist verboten, aber auch das Telefonieren mittels Freisprechanlage beeinträchtigt die Konzentration auf den Straßenverkehr.

Unterschätzte Gefahr

Viele Autofahrer sind sich des Risikos, das sie eingehen, nicht bewusst: So gaben etwa in einer Studie des Allianz Zentrums für Technik, München, rund 38 Prozent der Befragten zu, während der Fahrt mit dem Handy zu telefonieren. Jeder fünfte befragte Autofahrer las oder schrieb nach eigenen Angaben Kurzmitteilungen auf dem Handy. Mehr als die Hälfte der Befragten programmierte das Navigationsgerät, aß oder trank während der Fahrt oder suchte nach Gegenständen. Vier von zehn Fahrern korrigierten unterwegs den Sicherheitsgurt, Sitz oder Spiegel. Kleine Gesten und Aktivitäten mit großen Folgen: Nach Schätzungen von Experten erhöht sich das Unfallrisiko durch Ablenkung am Steuer um das Zwei- bis Fünffache.

Eine Sekunde Ablenkung, viele Meter blinde Fahrt

Selbst die kleinste Ablenkung kann drastische Konsequenzen haben: Wird die Aufmerksamkeit um nur eine Sekunde vom Straßenverkehr abgewendet, legt ein Fahrzeug bei 50 km/h nahezu 14 Meter im Blindflug zurück. Innerhalb dieser einen Sekunde kann sich das Verkehrsgeschehen komplett ändern, z. B. kann ein Kind auf die Fahrbahn laufen. Bei 100 km/h beträgt die Strecke fast 28 und bei 160 km/h etwa 45 Meter. Passiert während dieser Phase etwas Unvorhersehbares, hat der Fahrer keine Chance, rechtzeitig zu reagieren. Auch das Abdriften von der Fahrbahn ist eine große Gefahr. Nach Forschungsergebnissen aus der Schweiz erhöht sich das Unfallrisiko beim Autofahren durch Essen um den Faktor 1,4 und beim Bedienen der Tastatur eines mobilen Geräts um 2,8. Beim Telefonieren steigt das Unfallrisiko um den Faktor 4 bis 5 und beim Greifen eines in Bewegung geratenen Gegenstands sogar um den Faktor 9. Bei jedem vierten schweren Unfall, so schätzen die Unfallforscher, ist Unaufmerksamkeit beziehungsweise Ablenkung im Spiel.

Wer sich ablenken lässt, gefährdet sich und andere

Ablenkung ist bei einem Unfall keine Entschuldigung. Im Gegenteil: Wer abgelenkt ist und einen Crash verursacht, muss mit Allein- oder Mithaftung rechnen. Auch der Schutz durch die Vollkaskoversicherung kann verloren gehen. Die denkbar schlimmste Konsequenz aber ist nicht der finanzielle Schaden, sondern die Gefährdung von Menschenleben – sowohl des eigenen als auch das von anderen. Bevor Sie das nächste Mal während der Fahrt zum Handy greifen, das Navigationsgerät bedienen oder mit einer Frühstücksbox hantieren, fragen Sie sich deshalb: Würden Sie einfach so für ein paar Sekunden hinter dem Steuer die Augen schließen?

Weiterführende Links:

ADAC Ratgeber „Ablenkung vermeiden“:
www.adac.de/infotestrat/ratgeber-verkehr/richtiges-verhalten/ablenkung-vermeiden/default.aspx 
DVR Presseinformation:
www.dvr.de/presse/informationen/foto/2944.htm 
DEKRA Umfrage:
www.dekra.de/de/pressemitteilung?p_p_lifecycle=0&p_p_id=ArticleDisplay_WAR_ArticleDisplay&_ArticleDisplay_WAR_ArticleDisplay_articleID=13113010